Arbeitsmarktbericht der BA: Weniger Arbeitslose, mehr unsichere und schlecht bezahlte Stellen

28.10.2010 | Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit

Weniger Arbeitslose, mehr unsichere und schlecht bezahlte Stellen

Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnet so wenig Arbeitslose, wie seit 18 Jahren nicht mehr. Gewerkschaften und Oppositionsparteien weisen auf die Schönheitsfehler der Statistik hin: Jede dritte Stelle kommt aus der Leiharbeitsbranche und im verarbeitenden Gewerbe erfolgt 60 Prozent des Stellenaufbaus über Leiharbeit. DGB und Grüne werfen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor, die Zahlen seien geschönt.

Jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zufolge wurden im Oktober so wenig Menschen in Deutschland als erwerbslos registriert, wie seit dem Jahr 1992 nicht mehr. Erstmals seit 2008 sank die Zahl unter die Marke von 3 Millionen. Für Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist das ein „großer Erfolg für die Menschen, die Tarifpartner, aber in ganz besonderem Maße der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit in den Arbeitsgemeinschaften und Jobcentern.“ Gewerkschaften und Oppositionsparteien hingegen sehen keinen Anlass zum Feiern.

So zeigen die neuen Zahlen der Bundesagenturen auch, dass sich der Trend zu mehr prekären Beschäftigungsverhältnissen fortsetzt. „Gut jede dritte gemeldete Arbeitsstelle am ersten Arbeitsmarkt kommt derzeit aus der Zeitarbeit“, heißt es im aktuellen Arbeitsmarktbericht. Und im verarbeitenden Gewerbe nehmen die Beschäftigungszahlen trotz Rekordumsätze weiter ab. Zwischen Juli 2009 und Juli 2010 wurden hier unter dem Strich 84.000 Stellen abgebaut.


Leiharbeitnehmer werden zur „zweiten industriellen Reservearmee

Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, verweist auf die jüngsten Untersuchungen der Wirtschaftsforschungsinstitute und erklärt: „60 Prozent des gesamten Beschäftigungsaufbaus in diesem Gewerbe ist in Leiharbeit erfolgt“. Es werde „zunehmend Stammbeschäftigung verdrängt und eine zweite industrielle Reservearmee aufgebaut“, hält Wetzel den Unternehmen vor.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) tritt auf die Euphoriebremse und relativiert die Zahlen der Bundesagentur: „Fast 5 Millionen Personen haben ausschließlich einen Minijob mit einem Einkommen unter 400 Euro im Monat“, so DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Zudem sei jede zweite neu geschaffene Stelle befristet.

Auch die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Brigitte Pothmer, stellt die Aussagekraft der BA-Zahlen in Frage und hält von der Leyen vor, „die magische Drei-Millionen-Grenze wird nur durch statistische Tricks geknackt.“ Insgesamt würden 265.000 ältere, nicht vermittelbare oder von privaten Vermittlern betreute Arbeitslose nicht mehr von der Statistik erfasst, rechnet die Grünen-Politikerin vor.



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