Seit mehreren Monaten fordern die Beschäftigten des niedersächsischen Baumaschinenherstellers Atlas einen Tarifvertrag. Nun ist die Belegschaft des Werks in Ganderkesee in den Streik getreten. Geschäftsführer Filipov weigert sich zu verhandeln und versucht den Betrieb mit Leiharbeitskräften am Laufen zu halten. Die IG Metall hat die von Atlas beauftragten Verleihunternehmen nun dazu gebracht, keine Arbeitskräfte mehr an die bestreikten Betriebe zu verleihen.
Seit dem frühen Morgen des vergangenen Freitags steht die Produktion des Atlas-Werks im niedersächsischen Ganderkesee still. Die Beschäftigten des Baumaschinenherstellers streiken für einen Tarifvertrag, den Geschäftsführer Fil Filipov mit allen Mitteln verhindern will. Der Unternehmer versucht, den Betrieb mit Leiharbeitskräften aufrecht zu halten. Obwohl die geltenden Tarifverträge den Verleih von Arbeitskräften in bestreikte Betriebe untersagen, fand er zwei Dienstleister, die ihm Personal bereitstellten.
Am gestrigen Montag mahnte die IG Metall daraufhin die beiden Verleiher Piening Personal-Service und Timepartner, sich an die von ihren Arbeitgeberverbänden unterzeichneten Tarifverträge zu halten. Andernfalls würden Betriebsräte in anderen Betrieben künftig dafür sorgen, dass die beiden Unternehmen künftig keine Aufträge mehr erhalten.
Die Antwort von Piening GmbH Personal-Service ließ keine vier Stunden auf sich warten. Schon auf die erste Anfrage der IG Metall reagierte der Geschäftsführer Holger Piening und erklärte, er habe „den sofortigen Abzug“ seines Personals veranlasst und versicherte der IG Metall, für die Dauer der Arbeitsniederlegungen nicht mehr an Atlas zu verleihen. Piening hatte ohnehin nur einen Leiharbeiter bei Atlas im Einsatz und war, nach eigenen Angaben, über die Arbeitsniederlegung bei Atlas nicht informiert. Heute zog auch die Firma Timepartner nach, die bis dahin den Großteil der bei Atlas beschäftigten Leiharbeitskräfte gestellt hatte. Timepartner benötigte im Gegensatz zu Piening aber den Druck der IG Metall-Betriebsräte um zu reagieren. Erst nach einer Vielzahl von E-Mails wurden die Leiharbeiter von Timepartner bei Atlas abgezogen.
Der Streit zwischen der Belegschaft der Atlas-Werke mit Geschäftsführer Filipov hält nun schon seit mehreren Monaten an. Nachdem der neue bulgarische Eigentümer angekündigt hatte, die Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden zu erhöhen und gleichzeitig sämtliche Sonderzahlungen zu streichen, sprachen sich 500 der insgesamt 650 Beschäftigten an den drei Standorten in Delmenhorst, Vechta und Ganderkesee für einen Haustarifvertrag aus.
Seither versucht Filipov die Belegschaft gegen ihren Betriebsrat und ihre Gewerkschaft, die IG Metall, auszuspielen. In einem offenen Brief an die Belegschaft dankte er dieser für ihren Anteil am Erfolg des Unternehmens. Das Ausfuhrvolumen im September sei das höchste seit zwei Jahren gewesen. „Die meisten der 25 bis 30 Betriebsratsmitglieder haben nicht dazu beigetragen!“, behauptete Filipov.
Doch seine Strategie, die Belegschaft zu spalten, geht nicht auf: Von den fast 80 Prozent IG Metall-Mitgliedern unter den Atlas-Beschäftigten stimmten wiederum fast 80 Prozent für einen unbefristeten Streik. „Wir wollen den Arbeitskampf nicht“, stellte der erste Bevollmächtigte der IG Metall in Oldenburg Hartmut Tammen-Henke klar. „Aber wir sind in der Lage, einen durchzuführen“. Man sei jederzeit bereit Gespräche aufzunehmen. Filipov hat nun bis zum kommenden Donnerstag Zeit, sich doch noch auf Verhandlungen einzulassen.
Prof. Dr. Gerhard Bosch, Direktor des Instituts Arbeit und Qualifikation Uni Duisburg-Essen:
“Der Staat und die Bundesagentur für Arbeit subventionieren also die schlimmsten Praktiken der Leiharbeit.”…
Dr. Franz Segbers, Theologe und Professor für Sozialethik Uni Marburg:
“Jeder, der arbeitet, hat Anspruch auf gleiche Bezahlung, gleiche Rechte und gleiche soziale Sicherheit.”…
Thomas Schlenz, Konzernbetriebsratsvorsitzender ThyssenKrupp:
“Wer gleiche Arbeit leistet muss auch gleiches Geld bekommen. Deswegen unterstütze ich die Initiative Faire Leiharbeit…”
Klaus Franz, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats bei Opel:
“Als Betriebsrat bei Opel fordern wir eine Gleichbehandlung der Beschäftigten in Arbeitnehmerüberlassung…”
Matthias Machnig, Thüringer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie:
“Gerade im Bereich der Leiharbeit besteht dringender gesetzlicher Handlungsbedarf …”
Bettina Haller, Betriebsrat Siemens AG:
“Zeitarbeitsverträge sind kein Zukunftsmodell. Menschen sind keine Artikel, die einfach mal mit einem Leasingvertrag entsorgt werden…”
Dr. Albrecht Schröter, Oberbürgermeister Jena:
“Leiharbeiter dürfen nicht Beschäftigte zweiter Klasse sein. Deshalb muss die Politik Regeln setzen…”
Jürgen Dömel, KBR-Vorsitzender
der Carl Zeiss AG
“Die gleiche Arbeit muss auch gleich vergütet werden. Andere Länder, wie beispielsweise Frankreich, beweisen dass dies geht…”
Dr. Hartmut Seifert, Arbeitsmarktforscher:
“Langfristig schadet ein Arbeitsmarkt, der in atypisch und normal Beschäftige gespalten ist, auch den Stammbelegschaften…”
Paul Schobel, Industriepfarrer:
“Wer heute entlassen wird, kann morgen Leiharbeiter sein. Das sorgt für Berührungsängste…”
Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg:
“Es ist notwendig, Leiharbeit so fair zu gestalten, dass sie nicht als rechtlich sanktionierte Billigarbeit missbraucht werden kann…”
Dr. Norbert Vornehm, Oberbürgermeister der Otto-Dix-Stadt Gera:
“Ich unterstütze die Initiative “Gleiche Arbeit Gleiches Geld”, weil das ein zwingendes Gebot von Gerechtigkeit ist…”
Prof. Dr. Peter Bofinger, Geschäftsführer des Volkswirtschaftlichen Instituts der Uni Würzburg:
“Unsere Lebensverhältnisse dürfen nicht in erster Linie vom Markt bestimmt werden. Notwendig sind robuste soziale Leitplanken…”
Jens Köhler, Betriebsratsvorsitzender BMW Werk Leipzig:
“Zeitarbeiter müssen Stammbeschäftigten gleich gestellt werden. Es ist erforderlich, die Leihdauer wieder zu befristen…”
Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach, Jesuitenpater, Wirtschafts- und Sozialethiker:
“Gerechtigkeit bedeutet, die Interessen der am wenigsten Begünstigten vorrangig zu berücksichtigen…”
Prof. Dr. Kerstin Jürgens, Soziologin:
“Ich unterstütze die Initiative der IG Metall, weil die Missachtung gleicher Arbeitsleistung eine Ungerechtigkeit darstellt…”
Manfred Schoch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der BMW AG
“Es kann nicht angehen, dass in Betrieben Stammmitarbeiter entlassen und dafür Zeitarbeitskräfte eingesetzt werden…”
Renate Licht, Vorsitzende des DGB Thüringen:
“In meinen Augen ist es eine Frage des Respekts vor der Arbeit der Menschen, dass sie für ihre Arbeit einen Fairen Lohn erhalten…”
Peter Mosch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender AUDI AG:
“Wir brauchen klare Regeln für Leiharbeit, damit unsere Kolleginnen und Kollegen nicht im Abseits stehen…”
Thomas Klippstein, Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jenoptik Optical Systems GmbH:
“Wer auf dem Boden des Grundgesetzes steht, wird sich gegen Diskriminierung wenden!…”
Udo Belz, Betriebsrat bei Alstom in Mannheim
“Gewerkschaft und Betriebsräte dürfen der Beschäftigung von Leiharbeitnehmer/innen nur in absoluten Ausnahmefällen zustimmen…”
Prof. Dr. G. Günter Voß, Technische Universität Chemnitz – Institut für Soziologie
“Nur mit fairer Bezahlung, fairen Arbeits- bedingungen und fairen Beschäftigungschancen können heutzutage Betriebe erfolgreich sein…”
Manfred Breuckmann, Journalist/Autor in Düsseldorf
“Ich unterstütze die Inititiative Gleiche Arbeit Gleiches Geld, weil ich für Gerechtigkeit bin…”
Prof. Dr. Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, Redaktion Innenpolitik
“Das 19. Jahrhundert darf nicht bis ins 21. Jahrhundert andauern”
Maria Peschek, Kabarettistin
“Ich möchte nicht in einem Land leben, dass eine Zwei-Klassen-Gesellschaft hinnimmt!”
Waltraud Schäfer, stellvertretende Landrätin Kreis Siegen-Wittgenstein
“Es darf keine Beschäftigten 2. Klasse geben!”
Susanne Breit-Keßler, Regionalbischöfin München und Oberbayern
“Leiharbeit ist ihr Geld wert. Vorallem aber sind es die Menschen, die ihre Gaben und Fähigkeiten in Unternehmen einbringen …”
Josef Deimer, Altoberbürgermeister der Stadt Landshut
“Es ist eine Schande für die Soziale Marktwirtschaft …”
Dirk Grunert, Stadtrat Mannheim, BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
“Der unfaire Lohndruck auf Stammbelegschaften durch billige Leiharbeit muss so schnell wie möglich beendet werden.”
Helen Heberer, Abgeordnete des Landtages Baden-Württemberg
“Es geht hier um gleiche Chancen und Fairness auf dem Arbeitsmarkt!!”
Wolfgang Raufelder, Gemeinderat Mannheim, BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
“Wir brauchen keinen Niedriglohnsektor in unseren Betrieben!”
Gerhard Fontagnier, Gemeinderat Mannheim, BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
“Arbeit leihweise anzubieten ist schon kaum zu ertragen …”
Richard Huisinga, Hochschullehrer an der Universität Siegen
“Das Sozialgesetzbuch definiert die ‘Teilhabe am gesellschaftlichen Leben’ als Sozialnorm …”
Christian Ude, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München
“Arbeitgeber dürfen schwächere Verhandlungspositionen niemals ausnutzen …”
Hans-Jochen Vogel, Altoberbürgermeister der Stadt München, Bundesminister a. D, ehem. SPD-Vorsitzender
“Es handelt sich um eine Grundfrage der sozialen Gerechtigkeit”
Michael Lerchenberg, Intendant der Luisenburg-Festspiele Wunsiegel
“Leistung und Arbeit sollen sich wieder lohnen!”
Ralph Korschinsky, Geschäftsführer der KAB Bamberg
“Die KAB fordert einen Lohnaufschlag von 10% für Leiharbeit …”
Hubertus Förster, Katholischer Stadtdekan von Nürnberg
“Gerechtigkeit ist die Grundlage jedes menschlichen Zusammenlebens und der Garant für sozialen Frieden …”
Gabriele Warminski-Leitheußer, Bürgermeisterin der Stadt Mannheim
“Leiharbeit zu Dumping-Konditionen ist empörendes Unrecht.”
Marianne Bade, SPD-Stadträtin Mannheim
“Gerechtigkeit ist mehr als nur ein Thema für Sonntagsreden. “
Dr. Gerhard Schick, MdB Bündnis 90/Die Grünen, Finanzpolitischer Sprecher
“Die derzeitige Form der Leiharbeit erhöht die Unsicherheit bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern …”
Martin Huhn, Industriepfarrer Evangelische Landeskirche Baden – Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA)
“Leiharbeitnehmer werden behandelt wie Arbeitnehmer zweiter Klasse …”
Dr. Stefan Fulst-Blei, SPD-Fraktions-Vorsitzender
“Die Zukunftsfähigkeit des „Modells Deutschland“ ist mit einem funktionierenden Tarifsystem, starken Gewerkschaften und stabiler Lohnentwicklung verbunden …”
Hans Hartl, Landesbezirksvorsitzender Gewerkschaft NGG, Bayern
“Wir fordern den Gesetzgeber auf, die in den letzten Jahren ausufernde Leiharbeit auf maximal 3 Monate zu begrenzen …”
Renate Schmidt, Bundesfamilienministern a.D.
“Viele Unternehmen ‘missbrauchen’ Leiharbeit als “Regel-Arbeitsverhältnis …”
Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland
“Die Würde des Menschen ist die oberste Prämisse des Handelns …”
Markus Pannermayr, Oberbürgermeister der Stadt Straubing
“Soziale Gerechtigkeit darf keine Idee bleiben, sondern muss gelebt werden!”
Günter Wallraff, Schriftsteller
“Leiharbeit: billige und willige, schneller zu heuernde und zu feuernde Lückenbüßer …”
Jürgen Nimptsch, Oberbürgermeister
der Stadt Bonn
“Die aktuelle Praxis von Leiharbeit unterwandert Chancengleichheit und Mitbestimmung …”