Arbeitskampf bei Atlas: Einsatz von Leiharbeitskräften als Streikbrecher verhindert

26.10.2010 | Arbeitskampf bei Atlas in Niedersachsen

Einsatz von Leiharbeitskräften als Streikbrecher verhindert

Kundgebung bei Atlas

Seit mehreren Monaten fordern die Beschäftigten des niedersächsischen Baumaschinenherstellers Atlas einen Tarifvertrag. Nun ist die Belegschaft des Werks in Ganderkesee in den Streik getreten. Geschäftsführer Filipov weigert sich zu verhandeln und versucht den Betrieb mit Leiharbeitskräften am Laufen zu halten. Die IG Metall hat die von Atlas beauftragten Verleihunternehmen nun dazu gebracht, keine Arbeitskräfte mehr an die bestreikten Betriebe zu verleihen.

Seit dem frühen Morgen des vergangenen Freitags steht die Produktion des Atlas-Werks im niedersächsischen Ganderkesee still. Die Beschäftigten des Baumaschinenherstellers streiken für einen Tarifvertrag, den Geschäftsführer Fil Filipov mit allen Mitteln verhindern will. Der Unternehmer versucht, den Betrieb mit Leiharbeitskräften aufrecht zu halten. Obwohl die geltenden Tarifverträge den Verleih von Arbeitskräften in bestreikte Betriebe untersagen, fand er zwei Dienstleister, die ihm Personal bereitstellten.

Am gestrigen Montag mahnte die IG Metall daraufhin die beiden Verleiher Piening Personal-Service und Timepartner, sich an die von ihren Arbeitgeberverbänden unterzeichneten Tarifverträge zu halten. Andernfalls würden Betriebsräte in anderen Betrieben künftig dafür sorgen, dass die beiden Unternehmen künftig keine Aufträge mehr erhalten.

Die Antwort von Piening GmbH Personal-Service ließ keine vier Stunden auf sich warten. Schon auf die erste Anfrage der IG Metall reagierte der Geschäftsführer Holger Piening und erklärte, er habe „den sofortigen Abzug“ seines Personals veranlasst und versicherte der IG Metall, für die Dauer der Arbeitsniederlegungen nicht mehr an Atlas zu verleihen. Piening hatte ohnehin nur einen Leiharbeiter bei Atlas im Einsatz und war, nach eigenen Angaben, über die Arbeitsniederlegung bei Atlas nicht informiert. Heute zog auch die Firma Timepartner nach, die bis dahin den Großteil der bei Atlas beschäftigten Leiharbeitskräfte gestellt hatte. Timepartner benötigte im Gegensatz zu Piening aber den Druck der IG Metall-Betriebsräte um zu reagieren. Erst nach einer Vielzahl von E-Mails wurden die Leiharbeiter von Timepartner bei Atlas abgezogen.


Fast 80 Prozent stimmen für Streik

Der Streit zwischen der Belegschaft der Atlas-Werke mit Geschäftsführer Filipov hält nun schon seit mehreren Monaten an. Nachdem der neue bulgarische Eigentümer angekündigt hatte, die Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden zu erhöhen und gleichzeitig sämtliche Sonderzahlungen zu streichen, sprachen sich 500 der insgesamt 650 Beschäftigten an den drei Standorten in Delmenhorst, Vechta und Ganderkesee für einen Haustarifvertrag aus.

Seither versucht Filipov die Belegschaft gegen ihren Betriebsrat und ihre Gewerkschaft, die IG Metall, auszuspielen. In einem offenen Brief an die Belegschaft dankte er dieser für ihren Anteil am Erfolg des Unternehmens. Das Ausfuhrvolumen im September sei das höchste seit zwei Jahren gewesen. „Die meisten der 25 bis 30 Betriebsratsmitglieder haben nicht dazu beigetragen!“, behauptete Filipov.

Doch seine Strategie, die Belegschaft zu spalten, geht nicht auf: Von den fast 80 Prozent IG Metall-Mitgliedern unter den Atlas-Beschäftigten stimmten wiederum fast 80 Prozent für einen unbefristeten Streik. „Wir wollen den Arbeitskampf nicht“, stellte der erste Bevollmächtigte der IG Metall in Oldenburg Hartmut Tammen-Henke klar. „Aber wir sind in der Lage, einen durchzuführen“. Man sei jederzeit bereit Gespräche aufzunehmen. Filipov hat nun bis zum kommenden Donnerstag Zeit, sich doch noch auf Verhandlungen einzulassen.



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