TNS Infratest-Umfrage für die IG Metall: Trotz Aufschwung schlechtere Chancen für Junge

19.10.2010 | TNS Infratest-Umfrage für die IG Metall

Trotz Aufschwung schlechtere Chancen für junge Generation

Obwohl die deutsche Wirtschaft boomt, verschlechtern sich die Chancen junger Beschäftigter. Laut einer Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der IG Metall ist mittlerweile fast jeder Dritte unter 35 Jahren prekär beschäftigt. Unter den 20- bis 24-Jährigen stieg der Anteil im letzten Jahr sogar von 45 auf 54 Prozent. Von den jungen Leiharbeitskräften wurden nur 7 Prozent von ihrem Einsatzbetrieb übernommen.

Im wirtschaftlichen Aufschwung werden die Jungen abgehängt und im Erwerbsleben an den Rand gedrängt.“ So fasste der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, die Ergebnisse einer Studie von TNS Infratest zusammen. Im Auftrag der IG Metall wiederholte das Meinungsforschungsinstitut eine Umfrage aus dem Vorjahr unter insgesamt fast 2.000 Erwerbstätigen. Entgegen den Erwartungen haben sich demnach die Arbeitsbedingungen der jungen Generation während des Aufschwungs deutlich verschlechtert.

Mit 28 Prozent war im Krisenjahr 2009 bereits ein sehr hoher Anteil der unter 35-Jährigen prekär beschäftigt. In nur einem Jahr und trotz wirtschaftlicher Erholung stieg dieser Wert um ganze zwei auf 30 Prozent an. Mit anderen Worten: Während die deutsche Wirtschaft ein Rekordwachstum verzeichnet, ist mittlerweile fast jeder dritte junge Erwerbstätige entweder befristet, als Leiharbeitskraft oder in staatlichen Programmen zur Arbeitsbeschaffung beschäftigt.


Brückenfunktion von Leiharbeit „als Propaganda entlarvt

Besonders oft betroffen sind der Umfrage zufolge die 20- bis 24-Jährigen. Hier nahm der Anteil unsicherer Beschäftigung sogar um dramatische 9 auf 54 Prozent zu. Bei den über 35-Jährigen liegt er unverändert bei 16 Prozent. Es gilt also: „Je jünger, desto prekärer“, stellte Wetzel fest. „Der Aufschwung geht an der jungen Generation vorbei“.

Besserung ist kaum in Aussicht. So gaben nur 7 Prozent der Befragten an, im Rahmen einer Tätigkeit als Leiharbeitskraft von einem Einsatzbetrieb übernommen worden zu sein. Im Krisenjahr 2009 waren es noch 9 Prozent. Und selbst diese niedrige Übernahmequote sei ohne die von der IG Metall ausgehandelten betrieblichen Vereinbarungen nicht erreicht worden, gibt Detlef Wetzel zu bedenken. Damit ist das Argument der Politik, Leiharbeit sei eine Brücke in reguläre Arbeitsverhältnisse, in seinen Augen endgültig „als Propaganda entlarvt“.

Die IG Metall fordert daher die Politik in aller Schärfe auf, zu handeln: „Es ist Aufgabe der Politiker und Unternehmer, die Zukunftschancen der Jungen zu verbessern“, so Wetzel. Man werde jedoch nicht nur fordern sondern auch die eigenen „betrieblichen und tarifpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten weiter nutzen“.



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