Stammbeschäftigte raus – Leiharbeitskräfte rein

7.10.2010 | Ex-Siemens-Tochter mdexx

Stammbeschäftigte raus – Leiharbeitskräfte rein

Bei der ehemaligen Siemens-Tochter mdexx werden trotz guter Auftragslage Stammbeschäftigte entlassen. Gleichzeitig lässt die Unternehmensleitung Überstunden arbeiten und setzt Leiharbeitskräfte ein. Beim ehemaligen Mutterkonzern hat die IG Metall einen Pakt geschlossen, der einen solchen Missbrauch von Leiharbeit ausschließt.

Der Bremer Trafo-Hersteller mdexx ist ein Paradebeispiel für den noch immer legalen Missbrauch von Leiharbeit. Und dafür wie dieser am Ende auch dem Unternehmen selbst schadet. Ende 2008 wurde die Siemenstochter an den Schweizer Investor CGS verkauft. „Blühende Landschaften und einen Aufwärtstrend“ habe Siemens dem Werk damals versprochen, so Peter Stutz, politischer Sekretär bei der Bremer IG Metall.

Kaum waren die Verträge unter Dach und Fach, kündigte die neue Unternehmensleitung an, mit 220 fast die Hälfte der 480 Mitarbeiter zu entlassen. Rund ein Drittel der Stellen sollten nach Tschechien verlagert werden. „Ist man erst mal raus aus der Siemens-Welt, gelten trotz aller Versprechungen und Zusagen plötzlich ganz andere Regeln“, lautet heute das Fazit des Betriebsrats. Wochenlang bestreiken die Beschäftigten ihr Werk und hielten es zeitweise besetzt. Die Kündigungen konnten Betriebsrat und IG Metall nur noch mit einem Sozialplan abfedern. Rund neun Monate ist das nun her.


Betriebsrat konnte Leiharbeit in einigen Fällen verhindern

Mitte des Jahres zog die Konjunktur an. Um die eingehenden Aufträge bedienen zu können werden bei mdexx seither in 10-Stunden-Schichten und samstags gearbeitet. Zudem läuft die Produktionsverlagerung nach Tschechien nicht so reibungslos wie geplant. “Qualifizierte Arbeit ist eben nicht so einfach zu verschieben oder auf unerfahrenes Personal zu übertragen“, wird Betriebsrat Herbert Strosetzky in der taz zitiert.

Obwohl mdexx in Bremen wieder Fachkräfte sucht, soll die Stammbelegschaft nicht wieder aufgestockt werden. Stattdessen werden Leiharbeitskräfte angeheuert. In vielen Fällen sollen sie sogar in Bereichen eingesetzt werden, in denen zuvor Stammbeschäftigte gekündigt wurden. Einem Bericht der taz zufolge konnte der Betriebsrat dies in einigen Fällen verhindern.

Wäre mdexx noch immer eine Siemens-Tochter, hätte der Betriebsrat in Bremen ganz andere Möglichkeiten, um gegen einen solchen Missbrauch. Denn ein Beschäftigungspakt zwischen dem Dax-Konzern und der IG Metall, der seit Ende September auch für Tochter-Unternehmen gilt, begrenzt den Einsatz von Leiharbeit ausdrücklich auf vorrübergehend erhöhten Personalbedarf. Bevor Leiharbeitskräfte eingesetzt werden dürfen, müssen Auszubildende übernommen und die Verträge von befristet Beschäftigten verlängert werden.



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