Konzerninterne Leiharbeit bei Arcelor-Mittal: Übernahme nur als Leiharbeiter

13.10.2010 | Konzerninterne Leiharbeit bei Arcelor-Mittal

Übernahme nur als Leiharbeiter

Beim Stahlkonzern Arcelor-Mittal in Duisburg protestieren Auszubildende und fest Beschäftigte gegen die Personalplanung ihres Unternehmens. Ausgelernte sollen in eine Transfergesellschaft ausgelagert werden. Der Betriebsrat befürchtet eine Überalterung der Belegschaft und einen daraus resultierenden Fachkräftemangel.

Der Stahlkonzern Arcelor-Mittal hat ein Problem: Überalterung. Laut Betriebsrat Uwe Scharnberg ist in fünf Jahren die Hälfte der Belegschaft älter als 50. Umso größer ist das Unverständnis darüber, dass das Unternehmen seine gerade ausgelernten Facharbeiter nicht übernehmen will. Stattdessen sollen die jungen Beschäftigten in die Transfergesellschaft PEAG ausgegliedert werden, um sie umgehend als Leiharbeitskräfte wieder einzusetzen.

Gegen diese Pläne regt sich nun Widerstand. Am Rande einer außerordentlichen Betriebsversammlung in Duisburg demonstrierten einige hundert Auszubildende von Arcelor-Mittal. Mit schwarz-gelben T-Shirts der Kampagne „Aktion Übernahme“ der IG Metall-Jugend und Broschen mit der Aufschrift „Ich will bleiben!“ machten sie auf ihre Situation aufmerksam. Um diese Sorge auszudrücken, trugen einige Auszubildende ihre Zukunft symbolisch in einem Sarg zu Grabe. Zwar verhindert der neue Stahltarifvertrag, dass Leiharbeitnehmer während ihrer Einsatzzeiten geringere Löhne erhalten. Doch darüber hinaus bietet ein Leiharbeitsverhältnis keine Sicherheit.


Betriebsrat befürchtet Fachkräftemangel

Ein Auszubildender erklärt: „Es ist wichtig, dass wir neue ausgelernte Fachkräfte im Betrieb behalten“. Wenn bald alle in Rente gingen, sei niemand mehr im Betrieb, um den Nachwuchs auszubilden und Erfahrungen weiterzugeben. Auch der Betriebsratsvorsitzende Michael Andrejewski erklärt gegenüber dem WAZ-Online-Portal Der Westen: „Wir brauchen die Leute“. Er befürchtet, die frisch ausgebildeten Fachkräfte könnten abgeworben werden und dem Unternehmen somit dauerhaft verloren gehen.

Schon heute klagen viele Unternehmen über fehlenden Nachwuchs. Studien zufolge wird sich der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren in nahezu allen Branchen deutlich verschärfen. Doch trotz der bereits absehbaren Engpässe bleibt das Hauptziel von Unternehmen wie Arcelor-Mittal offenbar vor allem eins: möglichst wenige Beschäftigte fest einzustellen, um so flexibel wie möglich zu bleiben. Mit Blick auf die Quartalszahlen und den Aktienkurs wird die Personalentwicklung oft vernachlässigt. Diese kurzfristige Strategie könnte sich schon bald rächen.



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