Gesamtmetall offen für neue Leiharbeitsgesetze

Gesamtmetall offen für neue Leiharbeitsgesetze

„Gesamtmetall will beides: Flexibilität und Lohnsenkung”, kritisiert der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel

Der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie, Gesamtmetall, hat sich erstmals für einen Mindestlohn in der Leiharbeitsbranche ausgesprochen. Auch gegenüber kleinen Korrekturen der Leiharbeitsgesetze zeigt sich der Verband erstmals aufgeschlossen. Ein Recht auf gleiche Bezahlung lehnt er jedoch weiterhin ab.

Die Front gegen eine schärfere gesetzliche Regulierung von Leiharbeit bröckelt. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser: „Missbrauch zu beseitigen ist immer richtig“. Darunter falle für ihn auch der systematische Austausch von Stammbeschäftigten gegen Leiharbeitnehmer. Diesen „Drehtüreffekt, erst raus und mit denselben Leuten wieder billig rein“ hält der Arbeitgebervertreter für „eine perverse Ausnahme“.

Der Politik schlägt er vor, noch bis Ende des Jahres abzuwarten, ob die neuen Tarifverträge diesen Missbrauch wirksam verhindern. In den Verträgen sind Klauseln enthalten, die den unternehmensinternen Verleih von Arbeitskräften zur Einsparung von Lohnkosten verhindern sollen. Sofern sich gesetzliche Maßnahmen dennoch als notwendig erweisen, „sollte sich das Arbeitsministerium nur auf echte Missbrauchsfälle beschränken“, empfiehlt Kannegiesser. Bei einer ungewissen Auftragslage seien Unternehmen auf Leiharbeit angewiesen. Diesen Einwand will Detlef Wetzel nicht gelten lassen. „Gesamtmetall will beides: Flexibilität und Lohnsenkung“, kritisiert der Zweite Vorsitzende der IG Metall. Mit anderen Worten: Die Unternehmen können keine Flexibilität erwarten, ohne dafür zu bezahlen.

 

Kannegiesser: „Ohne Lohnuntergrenze wird der Lohndruck zu groß


Doch auch beim Thema Bezahlung von Leiharbeit ist eine vorsichtige Öffnung der Arbeitgeber gegenüber den Positionen der Gewerkschaften zu erkennen. Die Forderung „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“ lehnt Kannegiesser zwar noch ab. Er gestand jedoch erstmals ein, dass an einem Mindestlohn in der Leiharbeitsbranche kein Weg mehr vorbei führt. „Wenn 2011 die bisher geltende Beschränkung des Arbeitsmarktzugangs für osteuropäische Arbeitnehmer ausläuft, brauchen wir eine Lohnuntergrenze, sonst wird der Lohndruck für die Branche zu groß“, warnt der Gesamtmetall-Präsident.

Die von der IG Metall geforderte zeitliche Begrenzung von Leiharbeitseinsätzen hält Kannegiesser für unnötig. Die Befürchtung, die Unternehmen würden in großem Umfang Stammbelegschaften gegen Leiharbeitnehmer ersetzen, ist in den Augen des Gesamtmetall-Präsidenten unbegründet. „Vielmehr gewinnen die Stammbelegschaften wegen des demografischen Wandels und des Mangels an Fachkräften an Bedeutung“, sagt Kannegiesser voraus.
Die Wachstumserwartungen der Leiharbeitsbranche und die Ankündigungen diverser Arbeitgebervertreter, künftig noch mehr Leiharbeitskräfte beschäftigen zu wollen, weisen jedoch in eine andere Richtung.



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