Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hat die Bundesregierung aufgerufen, den Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ schnell gesetzlich festzuschreiben. Sonst würden die Gewerkschaften ihren Protest schon im Februar auf die Straße und in die Betriebe tragen.
Der Druck auf die Bundesregierung, für eine bessere Bezahlung von Leiharbeitnehmern zu sorgen, wächst. Im Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin erklärte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, die Gewerkschaften könnten und wollten nicht mehr länger auf eine gesetzliche Regelung warten. Wenn sich in den Verhandlungen über die Hartz IV-Reform, in denen SPD und Grüne ein Recht auf gleiche Bezahlung für Leiharbeitnehmer fordern, „nichts bewegt“, würden die Gewerkschaften ihren Protest in großen Demonstrationen und betrieblichen Aktionen zum Ausdruck bringen.
Hintergrund der Ankündigung ist die näher rückende Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes. Ab Mai gilt die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit. Dann können Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten, aber nach den Tarifen bezahlt werden, die am Sitz ihres Arbeitgebers gelten.
Sommer zufolge könne man somit „jeden Lohn in Deutschland tunneln, wenn man nur in Polen eine Leiharbeitsfirma gründet“. Verhindern lässt sich ein solches Szenario nur mit Hilfe gesetzlicher Regelungen. Die gelten auch nach der Öffnung des Arbeitsmarktes für alle Beschäftigten, die in Deutschland tätig sind, unabhängig vom Firmensitz ihres Arbeitgebers.
Gewerkschaften und Oppositionsparteien pochen daher darauf, ein Recht auf gleiche Bezahlung für Leiharbeitnehmer ins Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz aufzunehmen. Ohne eine solche Regelung, machte Sommer deutlich, werde es zu einem „flächendeckenden Lohndumping“ kommen.
Um das zu verhindern, wollen die Gewerkschaften laut Sommer „das gesamte Reservoir von dem, was wir an Mitteln haben“ nutzen. Wenn die Bundesregierung das Problem nicht schnell löse, werde es zu „großen gewerkschaftlichen Aktionen kommen“. Er hält es jedoch für möglich, dass die schwarz-gelbe Koalition sich noch rechtzeitig einig wird.
Prof. Dr. Gerhard Bosch, Direktor des Instituts Arbeit und Qualifikation Uni Duisburg-Essen:
“Der Staat und die Bundesagentur für Arbeit subventionieren also die schlimmsten Praktiken der Leiharbeit.”…
Dr. Franz Segbers, Theologe und Professor für Sozialethik Uni Marburg:
“Jeder, der arbeitet, hat Anspruch auf gleiche Bezahlung, gleiche Rechte und gleiche soziale Sicherheit.”…
Thomas Schlenz, Konzernbetriebsratsvorsitzender ThyssenKrupp:
“Wer gleiche Arbeit leistet muss auch gleiches Geld bekommen. Deswegen unterstütze ich die Initiative Faire Leiharbeit…”
Klaus Franz, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats bei Opel:
“Als Betriebsrat bei Opel fordern wir eine Gleichbehandlung der Beschäftigten in Arbeitnehmerüberlassung…”
Matthias Machnig, Thüringer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie:
“Gerade im Bereich der Leiharbeit besteht dringender gesetzlicher Handlungsbedarf …”
Bettina Haller, Betriebsrat Siemens AG:
“Zeitarbeitsverträge sind kein Zukunftsmodell. Menschen sind keine Artikel, die einfach mal mit einem Leasingvertrag entsorgt werden…”
Dr. Albrecht Schröter, Oberbürgermeister Jena:
“Leiharbeiter dürfen nicht Beschäftigte zweiter Klasse sein. Deshalb muss die Politik Regeln setzen…”
Jürgen Dömel, KBR-Vorsitzender
der Carl Zeiss AG
“Die gleiche Arbeit muss auch gleich vergütet werden. Andere Länder, wie beispielsweise Frankreich, beweisen dass dies geht…”
Dr. Hartmut Seifert, Arbeitsmarktforscher:
“Langfristig schadet ein Arbeitsmarkt, der in atypisch und normal Beschäftige gespalten ist, auch den Stammbelegschaften…”
Paul Schobel, Industriepfarrer:
“Wer heute entlassen wird, kann morgen Leiharbeiter sein. Das sorgt für Berührungsängste…”
Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg:
“Es ist notwendig, Leiharbeit so fair zu gestalten, dass sie nicht als rechtlich sanktionierte Billigarbeit missbraucht werden kann…”
Dr. Norbert Vornehm, Oberbürgermeister der Otto-Dix-Stadt Gera:
“Ich unterstütze die Initiative “Gleiche Arbeit Gleiches Geld”, weil das ein zwingendes Gebot von Gerechtigkeit ist…”
Prof. Dr. Peter Bofinger, Geschäftsführer des Volkswirtschaftlichen Instituts der Uni Würzburg:
“Unsere Lebensverhältnisse dürfen nicht in erster Linie vom Markt bestimmt werden. Notwendig sind robuste soziale Leitplanken…”
Jens Köhler, Betriebsratsvorsitzender BMW Werk Leipzig:
“Zeitarbeiter müssen Stammbeschäftigten gleich gestellt werden. Es ist erforderlich, die Leihdauer wieder zu befristen…”
Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach, Jesuitenpater, Wirtschafts- und Sozialethiker:
“Gerechtigkeit bedeutet, die Interessen der am wenigsten Begünstigten vorrangig zu berücksichtigen…”
Prof. Dr. Kerstin Jürgens, Soziologin:
“Ich unterstütze die Initiative der IG Metall, weil die Missachtung gleicher Arbeitsleistung eine Ungerechtigkeit darstellt…”
Manfred Schoch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der BMW AG
“Es kann nicht angehen, dass in Betrieben Stammmitarbeiter entlassen und dafür Zeitarbeitskräfte eingesetzt werden…”
Renate Licht, Vorsitzende des DGB Thüringen:
“In meinen Augen ist es eine Frage des Respekts vor der Arbeit der Menschen, dass sie für ihre Arbeit einen Fairen Lohn erhalten…”
Peter Mosch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender AUDI AG:
“Wir brauchen klare Regeln für Leiharbeit, damit unsere Kolleginnen und Kollegen nicht im Abseits stehen…”
Thomas Klippstein, Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jenoptik Optical Systems GmbH:
“Wer auf dem Boden des Grundgesetzes steht, wird sich gegen Diskriminierung wenden!…”
Udo Belz, Betriebsrat bei Alstom in Mannheim
“Gewerkschaft und Betriebsräte dürfen der Beschäftigung von Leiharbeitnehmer/innen nur in absoluten Ausnahmefällen zustimmen…”
Prof. Dr. G. Günter Voß, Technische Universität Chemnitz – Institut für Soziologie
“Nur mit fairer Bezahlung, fairen Arbeits- bedingungen und fairen Beschäftigungschancen können heutzutage Betriebe erfolgreich sein…”
Manfred Breuckmann, Journalist/Autor in Düsseldorf
“Ich unterstütze die Inititiative Gleiche Arbeit Gleiches Geld, weil ich für Gerechtigkeit bin…”
Prof. Dr. Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, Redaktion Innenpolitik
“Das 19. Jahrhundert darf nicht bis ins 21. Jahrhundert andauern”
Maria Peschek, Kabarettistin
“Ich möchte nicht in einem Land leben, dass eine Zwei-Klassen-Gesellschaft hinnimmt!”
Waltraud Schäfer, stellvertretende Landrätin Kreis Siegen-Wittgenstein
“Es darf keine Beschäftigten 2. Klasse geben!”
Susanne Breit-Keßler, Regionalbischöfin München und Oberbayern
“Leiharbeit ist ihr Geld wert. Vorallem aber sind es die Menschen, die ihre Gaben und Fähigkeiten in Unternehmen einbringen …”
Josef Deimer, Altoberbürgermeister der Stadt Landshut
“Es ist eine Schande für die Soziale Marktwirtschaft …”
Dirk Grunert, Stadtrat Mannheim, BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
“Der unfaire Lohndruck auf Stammbelegschaften durch billige Leiharbeit muss so schnell wie möglich beendet werden.”
Helen Heberer, Abgeordnete des Landtages Baden-Württemberg
“Es geht hier um gleiche Chancen und Fairness auf dem Arbeitsmarkt!!”
Wolfgang Raufelder, Gemeinderat Mannheim, BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
“Wir brauchen keinen Niedriglohnsektor in unseren Betrieben!”
Gerhard Fontagnier, Gemeinderat Mannheim, BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
“Arbeit leihweise anzubieten ist schon kaum zu ertragen …”
Richard Huisinga, Hochschullehrer an der Universität Siegen
“Das Sozialgesetzbuch definiert die ‘Teilhabe am gesellschaftlichen Leben’ als Sozialnorm …”
Christian Ude, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München
“Arbeitgeber dürfen schwächere Verhandlungspositionen niemals ausnutzen …”
Hans-Jochen Vogel, Altoberbürgermeister der Stadt München, Bundesminister a. D, ehem. SPD-Vorsitzender
“Es handelt sich um eine Grundfrage der sozialen Gerechtigkeit”
Michael Lerchenberg, Intendant der Luisenburg-Festspiele Wunsiegel
“Leistung und Arbeit sollen sich wieder lohnen!”
Ralph Korschinsky, Geschäftsführer der KAB Bamberg
“Die KAB fordert einen Lohnaufschlag von 10% für Leiharbeit …”
Hubertus Förster, Katholischer Stadtdekan von Nürnberg
“Gerechtigkeit ist die Grundlage jedes menschlichen Zusammenlebens und der Garant für sozialen Frieden …”
Gabriele Warminski-Leitheußer, Bürgermeisterin der Stadt Mannheim
“Leiharbeit zu Dumping-Konditionen ist empörendes Unrecht.”
Marianne Bade, SPD-Stadträtin Mannheim
“Gerechtigkeit ist mehr als nur ein Thema für Sonntagsreden. “
Dr. Gerhard Schick, MdB Bündnis 90/Die Grünen, Finanzpolitischer Sprecher
“Die derzeitige Form der Leiharbeit erhöht die Unsicherheit bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern …”
Martin Huhn, Industriepfarrer Evangelische Landeskirche Baden – Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA)
“Leiharbeitnehmer werden behandelt wie Arbeitnehmer zweiter Klasse …”
Dr. Stefan Fulst-Blei, SPD-Fraktions-Vorsitzender
“Die Zukunftsfähigkeit des „Modells Deutschland“ ist mit einem funktionierenden Tarifsystem, starken Gewerkschaften und stabiler Lohnentwicklung verbunden …”
Hans Hartl, Landesbezirksvorsitzender Gewerkschaft NGG, Bayern
“Wir fordern den Gesetzgeber auf, die in den letzten Jahren ausufernde Leiharbeit auf maximal 3 Monate zu begrenzen …”
Renate Schmidt, Bundesfamilienministern a.D.
“Viele Unternehmen ‘missbrauchen’ Leiharbeit als “Regel-Arbeitsverhältnis …”
Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland
“Die Würde des Menschen ist die oberste Prämisse des Handelns …”
Markus Pannermayr, Oberbürgermeister der Stadt Straubing
“Soziale Gerechtigkeit darf keine Idee bleiben, sondern muss gelebt werden!”
Günter Wallraff, Schriftsteller
“Leiharbeit: billige und willige, schneller zu heuernde und zu feuernde Lückenbüßer …”
Jürgen Nimptsch, Oberbürgermeister
der Stadt Bonn
“Die aktuelle Praxis von Leiharbeit unterwandert Chancengleichheit und Mitbestimmung …”