Leiharbeit und Befristung durchkreuzen Lebenspläne

Leiharbeit und Befristung durchkreuzen Lebenspläne

Mit der Ausweitung prekärer Beschäftigung wird es für junge Menschen in Deutschland immer schwerer, ihr Leben zu planen. Das Resultat: Die Geburtenrate sinkt und es steigt die Zahl derer, die nicht angemessen für ihr Alter vorsorgen können. Beschäftigung abzusichern steht daher ganz oben auf der Tagesordnung der deutschen Gewerkschaften.

Um Krise und vorrübergehende Erwerbslosigkeit zu überbrücken, sollten „sich junge Paare jetzt den Kinderwunsch erfüllen“, schlug der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, im Mai des vergangenen Jahres vor. Seinem Aufruf sind offenbar nur Wenige gefolgt: Den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge kamen im vergangenen Jahr deutschlandweit nur 651 000 Kinder zur Welt. So wenige wie seit 1948 nicht mehr. Ein neuer Negativrekord, der einen langfristigen Trend fortsetzt.

Ein Grund dafür ist, dass es vielen jungen Menschen schon schwer genug fällt, sich selbst über Wasser zu halten. Um finanziell Verantwortung für eine Familie zu übernehmen, ist ihnen ihr Berufsleben zu unberechenbar. Die Einen arbeiten als schlecht bezahlte Leiharbeitnehmer, die jeden Tag mit einer Kündigung rechnen müssen. Die Anderen hangeln sich von einer befristeten Stelle zur nächsten.


DGB-Gewerkschaften fordern: „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“

So sind viele Berufsanfänger nicht einmal in der Lage, angemessen für ihre eigene Zukunft vorzusorgen. Zu diesem alarmierenden Befund kommt eine aktuelle Studie der IG Metall. „Die Mehrzahl der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen steuert ungewollt auf die Altersarmut zu“, heißt es darin. IG Metall-Bundesjugendsekretär Eric Leiderer, erklärt im Interview mit dem Deutschlandfunk, junge Menschen seien oft viel zu sehr mit der Frage beschäftigt, „was passiert in den nächsten paar Jahren“.

Damit junge Beschäftigte ihr Leben wieder langfristig planen und angemessen vorsorgen können, muss Beschäftigung wieder sicherer werden. Darin sind sich die deutschen Gewerkschaften einig. Auf dem gerade abgeschlossenen 19. Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) wurde ein entsprechender Leitantrag mit großer Mehrheit angenommen. Darin wird der Grundsatz „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“ für Leiharbeitsbeschäftigte, sowie die Eingrenzung von Befristung verlangt. Wenn die Politik diesen Forderungen nachkommt, wird die Geburtenrate in Deutschland auch wieder ansteigen. Denn anders als krisenbedingte Erwerbslosigkeit ist eine sichere Beschäftigung tatsächlich ein Anreiz, eine Familie zu gründen.



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