DGB-Chef kündigt „große gewerkschaftliche Aktionen“ an

13.12011 | Gewerkschaften erhöhen Druck auf Regierung

DGB-Chef kündigt „große gewerkschaftliche Aktionen“ an

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hat die Bundesregierung aufgerufen, den Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ schnell gesetzlich festzuschreiben. Sonst würden die Gewerkschaften ihren Protest schon im Februar auf die Straße und in die Betriebe tragen.

Der Druck auf die Bundesregierung, für eine bessere Bezahlung von Leiharbeitnehmern zu sorgen, wächst. Im Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin erklärte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, die Gewerkschaften könnten und wollten nicht mehr länger auf eine gesetzliche Regelung warten. Wenn sich in den Verhandlungen über die Hartz IV-Reform, in denen SPD und Grüne ein Recht auf gleiche Bezahlung für Leiharbeitnehmer fordern, „nichts bewegt“, würden die Gewerkschaften ihren Protest in großen Demonstrationen und betrieblichen Aktionen zum Ausdruck bringen.

Hintergrund der Ankündigung ist die näher rückende Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes. Ab Mai gilt die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit. Dann können Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten, aber nach den Tarifen bezahlt werden, die am Sitz ihres Arbeitgebers gelten.

 

„Ohne Gesetzesänderung kann jeder deutsche Lohn getunnelt werden“


Sommer zufolge könne man somit „jeden Lohn in Deutschland tunneln, wenn man nur in Polen eine Leiharbeitsfirma gründet“. Verhindern lässt sich ein solches Szenario nur mit Hilfe gesetzlicher Regelungen. Die gelten auch nach der Öffnung des Arbeitsmarktes für alle Beschäftigten, die in Deutschland tätig sind, unabhängig vom Firmensitz ihres Arbeitgebers.

Gewerkschaften und Oppositionsparteien pochen daher darauf, ein Recht auf gleiche Bezahlung für Leiharbeitnehmer ins Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz aufzunehmen. Ohne eine solche Regelung, machte Sommer deutlich, werde es zu einem „flächendeckenden Lohndumping“ kommen.

Um das zu verhindern, wollen die Gewerkschaften laut Sommer „das gesamte Reservoir von dem, was wir an Mitteln haben“ nutzen. Wenn die Bundesregierung das Problem nicht schnell löse, werde es zu „großen gewerkschaftlichen Aktionen kommen“. Er hält es jedoch für möglich, dass die schwarz-gelbe Koalition sich noch rechtzeitig einig wird.



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