Arbeitgeber fürchten um ihre Profite aus der Leiharbeit

Arbeitgeber fürchten um ihre Profite aus der Leiharbeit

morgenroethe / photocase.com

Arbeitgeber warnen vor den negativen Beschäftigungseffekten schärferer Leiharbeitsgesetze. Doch ihre Einwände sind unbegründet. Im Aufschwung brauchen die Unternehmen wieder mehr Arbeitskräfte. Wird Leiharbeit wieder begrenzt, kommen sie daher nicht umhin, ihre Stammbelegschaften aufzustocken.

Die Initiative „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“ der IG Metall zeigt schon kurz nach ihrem Start Wirkung. Anbieter wie Nutzer von Leiharbeit fürchten um ihre Privilegien und gehen in Verteidigungshaltung. Andreas Dinges, Chef der Adecco-Gruppe in Deutschland, warnt vor einem Recht auf gleiche Bezahlung für Leiharbeitnehmer. „Dann wäre die Zeitarbeit zu teuer und würde sich nicht mehr lohnen“, wird der Manager in der Süddeutschen Zeitung zitiert.

Und nach Südwestmetall-Chef Rainer Dulger meldet sich nun auch der Vorsitzende von Hessenmetall, Dieter Weidemann, zu Wort. Die Betriebe bräuchten derzeit „ganz dringend“ Flexibilität, erklärt der Arbeitgebervertreter gegenüber der Frankfurter Rundschau. Leiharbeit dürfe daher nicht teurer werden. Andernfalls würden Arbeitsplätze ins Ausland verlagert.

 


Die Arbeitskraft der Leiharbeitnehmer wird gebraucht, hier und jetzt

Beide Einwände sind ebenso vorgeschoben wie unbegründet. Schärfere gesetzliche Regeln für den Verleih von Arbeitskräften gefährden in Wahrheit keine einzige Stelle. Denn die Leiharbeitsbranche selbst schafft keine Arbeitsplätze. Arbeitsplätze entstehen in den Unternehmen, die Leiharbeit nutzen. Und diese Unternehmen brauchen die Arbeitskraft jedes einzelnen der derzeit 650.000 Leiharbeitnehmer, und zwar hier und jetzt.

Bei gleicher Bezahlung und einer begrenzten Einsatzdauer, würde sich Leiharbeit zwar tatsächlich weniger lohnen. Reguläre Beschäftigung dafür umso mehr. Unternehmen müssten wieder genau überlegen, wie viel Flexibilität durch Leiharbeit sie wirklich brauchen und wie viel ihnen diese wert ist.

Aufgrund schärferer Leiharbeitsgesetze wird keines dieser Unternehmen Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Die gute Infrastruktur und das hohe Bildungsniveau in Deutschland sind nur zwei von vielen Standortvorteilen, die kein Arbeitgeber so leichtfertig opfern würde.

Der wahre Grund für die Aufregung der Arbeitgeber ist ein anderer: Für Ver- wie Entleiher ist Leiharbeit ein lukratives Geschäft, das beide Seiten weiter betreiben möchten. Und zwar ohne dass der Gesetzgeber die Regeln vorgibt. Doch diese Regeln sind notwendig, damit Leiharbeit endlich auch den Beschäftigten nutzt.



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