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Wie viele andere Menschen erhoffte sich Alexander (38) von seiner Tätigkeit als Leiharbeiter eine feste Übernahme. Stattdessen ist er seit neun Jahren als Altteilesortierer in Leiharbeit für das gleiche Unternehmen tätig. Die Hoffnung auf Besserung hat er aufgegeben. Über den Leiharbeitsmelder berichtet er von seiner Situation.
Ich war Zeitsoldat und fand nach meinem Dienstzeitende keine Arbeit, die meiner Qualifikation entsprach. Dies war eine schwere Zeit für mich. Als ich endlich eine positive Rückmeldung auf eine meiner Bewerbungen bekam, war dies an die Bedingung geknüpft, mich über eine Leiharbeitsfirma auf die Stelle zu bewerben. Nach medizinischer Untersuchung und Einstellungstests wurde ich 2003 Leiharbeiter. Natürlich ging ich diesen Weg in dem Glauben, in Zukunft von dem Entleihunternehmen übernommen zu werden. Ich bin heute immer noch für das Unternehmen als Altteilsortierer tätig. Meine Hoffnung auf Übernahme ist längst gestorben. Ich arbeite nur als Leiharbeiter, um mir selbst jeden Morgen wieder in die Augen sehen zu können.
Der Ausdruck „ungerecht“ ist fast noch untertrieben. Wenn man täglich versucht, möglichst viele Überstunden zu erarbeiten, nur um nicht aufstocken zu müssen, ist das schon ein Unding. Während die Stammkollegen pünktlich nach Hause gehen, muss man als Leiharbeiter weiter arbeiten. Dabei gibt es noch nicht mal Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder weitere individuelle Leistungszulagen für einen Leiharbeiter. Das ist menschenverachtend.
Wenn es wenig Arbeit gibt, wird der Leiharbeiter zu Lasten des eigenen Arbeitskontos als erster nach Hause geschickt. Obwohl für mich im Kundenbetrieb eine 40-Stunden-Woche gilt, wird mir nur eine 35-Stunden-Woche vergütet. Bislang hatte ich Glück, denn es gab immer Arbeit für mich. Als Altteilesortierer buche und sortiere ich Lichtmaschinen und Starter. Meine Arbeit ist körperlich und geistig anstrengend. Die Lichtmaschinen und Anlasser sind teilweise sehr groß und schwer und beim Umschlüsseln, Buchen und Erfassen der Ware dürften keine Fehler passieren.
Ich erwarte schon gar nichts mehr von der Politik. Die Politiker sind so weit von uns Leiharbeitern entfernt. Ich glaube, manchmal wollen sie gar nicht wissen, dass es uns auch noch gibt. Da werden doch lieber ein paar gute Freunde aus der Wirtschaft begünstigt, um sich weiter die Taschen zu füllen. Nur damit die Politik vor den Unternehmern gut dasteht, sind wir doch in dieser Situation. Ich hoffe, dass die Menschen auf die Straßen gehen, sich auf die Seite der Leiharbeiter stellen und so dafür sorgen, das Gerechtigkeit im Lohnbereich entsteht. Am Ende geht es um das Geld aller, die Renten und die Steuern aller. Die Gewerkschaften sollten weiter Streiks ausrufen. Nur so kommt ein Umdenken in Politik und Wirtschaft.
Nicht mehr viel. Nachdem ich jahrelang, trotz Beanstandung, nach einer falschen Lohngruppe bezahlt wurde, geht mir die Luft aus. Obwohl immer behauptet wurde, dass alles richtig sei, ist nun doch der Betrug aufgeflogen. Ich kann von meinem Arbeitgeber einfach gar nichts mehr erwarten.
„Ich glaube die Politiker wollen gar nicht wissen, dass es uns auch noch gibt.“