Jens Koehler

Jens Köhler, Betriebsratsvorsitzender BMW Werk Leipzig

Initiative Faire Leiharbeit

Jens Köhler
 

Als die damalige Bundesregierung 2003 das Arbeitnehmerüberlassungsgesetzt (AÜG) neu beschloss, befand sich das BMW Werk Leipzig gerade in der Aufbauphase sowohl baulich wie auch personell. BMW hat die Änderung des AÜG sofort aufgegriffen und weniger Stammpersonal eingestellt. Parallel zur Stammbelegschaft wurde eine zweite Belegschaftsstruktur aufgebaut, die Zeitarbeiter. Über alle Funktionen (vom Bandmitarbeiter bis zum Ingenieur) wurden Zeitarbeiter eingestellt. Uns ebenfalls frischen, neuen Betriebsräten wurde das ausschließlich als flexibler Vorhalt begründet.

 

Ursprünglich sollte das AÜG dem sozialen Schutz der Leiharbeitnehmer dienen und sollte diese insbesondere vor Ausbeutung bewahren. Mittlerweile verfolgt der Gesetzgeber mit dem AÜG auch arbeitsmarktpolitische Zwecke. BMW hat in Leipzig die Stammbelegschaft nur bis an die für die Fördermittel notwendige Anzahl von 2.600 eingestellt. Alles darüber hinaus wird mit Zeitarbeit bewältigt. In der Spitze hatten wir im Jahr 2007 über 1.300 Zeitarbeiter bei uns beschäftigt.

 
Wir haben es als Betriebsrat nicht geschafft, die Zeitarbeit einzudämmen. Hier ist die gesetzliche Faktenlage eindeutig auf Seiten der Arbeitgeber. Aber wir haben es in mehreren Schritten geschafft, dass die Zeitarbeiter das gleiche monatliche Grundentgelt erhalten wie wir BMWler. Ein Tarifvertrag zwischen IG Metall und den bei uns tätigen Zeitarbeitsfirmen sichert dies ab.
 
Dieser Tarifvertrag kann aber nur ein Zwischenschritt sein. Die Zeitarbeiter müssen in jeglicher Hinsicht den Stammbeschäftigten gleich gestellt werden. Auch ist es erforderlich die Leihdauer wieder zu befristen.
 
Bei diesen zwei Themen erwartet der Betriebsrat des BMW Werkes Leipzig eine entsprechende politische Korrektur des AÜG. Die Tarifvertrags- bzw. die Betriebsparteien können dies nicht allein lösen.

 



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