Statement Dr. Norbert Blüm

Pressekonferenz der IG Metall | Berlin, 04. Mai 2010

Dr. Norbert Blüm: "Verfall der Sitten auf dem deutschen Arbeitsmarkt"

Norbert Blüm

Schirmherr Dr. Norbert Blüm, Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung a.D.

 

Blüm resümiert, die Leiharbeit gefährdet den Sozialstaat in seinen Grundsätzen.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Kündigungsschutz und auch Mitbestimmung, "dies sind die Elemente, mit denen wir diese Republik aufgebaut haben. Das Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik war im kein Ergebnis von Lohndumping, sondern, im Gegenteil, von Qualität."

Blüm weiter: "1,3 Millionen Menschen haben einen Job, von dem sie nicht leben können. Und ich sage Ihnen, eine Gesellschaft, wo man von Arbeit nicht leben kann, die ist übergeschnappt. In der Logik dieser Gesellschaft geh ich doch gar nicht arbeiten, da geh ich doch gleich zum Sozialamt! Das ist viel logischer! Warum denn arbeiten?"
Blüm sieht im Missbrauch der Leiharbeit nicht einen elementaren Angriff auf die Tarifpolitik. "sondern es geht darum, dass die Bundesrepublik Deutschland in den Grundfesten seines Sozialstaates getötet wird."


Blüm engagiert sich aktiv in der Initiative Gleiche Arbeit - gleiches Geld und hofft das nicht nur Kirchen sondern auch Unternehmen sich der Initiative anschließen und gegen diesen "Sittenverfall" kämpfen.

"Also, ich bin mit dabei, weil ich glaube, jetzt muss man Alarm schlagen. Gegen ein ganz geräuschloses stilles Unterspülen dessen, was über Jahrzehnte und Generationen über alle Parteien von Arbeitgebern - ich sage es ausdrücklich - und Gewerkschaften, gemeinsam aufgebaut worden ist. Das lassen wir uns jetzt nicht kaputt machen! Leiharbeit ist die erste Zerreißprobe, ob die Fahrt zurück geht zum Tagelöhner. Auf Abruf, mit Almosen. Ohne Kündigungsschutz, ohne Vertretungsrechte. Und da kann es nur ein klares, klares nein geben."



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