Die Wisag, ursprünglich eine Gebäudereinigungsfirma, ist heute mit 5000 Leuten bundesweit als Industrie-Dienstleister unterwegs. Das Geschäft mit den Werkverträgen boomt, von Unternehmensberatern und Anwälten als Alternative zur Leiharbeit empfohlen. Denn Werkverträge sind weniger reguliert als Leiharbeit, in der seit Mai 2011 ein Mindestlohn gilt. Und wo Betriebsräte und IG Metall immer öfter bessere Bedingungen durchsetzen.
Bei BMW in Leipzig gibt es Werkverträge schon seit Jahren, neben Leiharbeit. Beides lässt sich auch bestens kombinieren: Die Wisag arbeitet nicht für BMW direkt, sondern im Auftrag der ThyssenKrupp Automotive, die mit BMW den Achsen-Werkvertrag geschlossen hat und wiederum die Beschäftigten von der Wisag ausleiht.
Ein schlauer Kniff: Denn eigentlich erhalten Leihbeschäftigte bei BMW den IG Metall-Tariflohn. Das hat der BMW-Betriebsrat vor vier Jahren durchgesetzt. Doch das gilt rechtlich nur für Leiharbeiter direkt bei BMW. Nicht für Leiharbeiter, die formal für andere Unternehmen arbeiten, nämlich für die Werkvertrags-Firmen.
Die Zwei-Klassen-Belegschaft war gestern. Heute gibt es vier Klassen: BMW-Stamm- und BMW-Leihbeschäftigte, feste Werkvertragsleute und Werkvertrag-Leihbeschäftigte. Rund um die Kernbelegschaft wuchert ein bunter Rand. Ein Flickenteppich aus zig Vertragsarten.Viele stolpern seit Jahren von einem Rand-Flicken zum nächsten. Ein fester BMW-Job ist dabei unerreichbar.
"Das geht fast jedem hier so", erzählt der gelernte Lackierer Daniel O.* "Als ich vor vier Jahren mit Leiharbeit angefangen habe, konnte ich höchstens ein halbes Jahr planen. Jetzt habe ich endlich einen festen Vertrag bei HQM und habe Sicherheit. Anders als viele Leihleute, die zu Weihnachten weggeschickt werden."
*Name von der Redaktion geändert