Leiharbeit wirksam regulieren: Zweigleisig zu mehr Gerechtigkeit

20.12.2011 | Metall und Elektro: Leiharbeit wirksam regulieren

Zweigleisig zu mehr Gerechtigkeit

Kundgebung am 1. Mai in Gelsenkirchen
 

Sie arbeiten oft für die Hälfte, und der Chef kann sie jederzeit nach Hause schicken. Leihbeschäftigte sind für viele Arbeitgeber inzwischen die idealen Arbeitnehmer. Die IG Metall kämpft gegen diese Zwei-Klassen-Gesellschaft. In der Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie packt sie die Leiharbeit gleich von zwei Seiten an.

Es geht um Geld, und es geht um den Kampf gegen Missbrauch. In der anstehenden Tarifrunde für die Metall- und Elektrobranche packt die IG Metall die Leiharbeit von zwei Seiten an. Mit den Arbeitgebern der Verleihbranche will sie über mehr Geld für Leihbeschäftigte verhandeln und die Ungerechtigkeiten bei der Bezahlung durch einen Branchenzuschlag sowie eine Einsatzzulage beseitigen.

In der Metall- und Elektroindustrie fordert sie mehr Mitbestimmungsrechte. Betriebsräte sollen darüber mitentscheiden, ob und wann, wie viele Leihbeschäftigte, wie lange eingesetzt werden dürfen. Mit verbesserten Mitspracherechten will die IG Metall verhindern, dass sie reguläre Beschäftigung verdrängen. Denn die Nutzung und der Missbrauch breiten sich in vielen Betrieben aus.

Über 100 000 Besser-Vereinbarungen


In den Betrieben untergraben Arbeitgeber mit der Leiharbeit geltende Tarifverträge, bauen reguläre Arbeitsplätze ab und ziehen eine Billiglohnlinie ein. Hier steuert die IG Metall seit Jahren gegen und kämpft Betrieb für Betrieb um bessere Arbeitsbedingungen für Leiharbeitnehmer. Mehr als 1000 Besser-Vereinbarungen hat sie inzwischen abgeschlossen.

Auch im Vorfeld der Tarifrunde liefen sich Metallerinnen und Metaller hier schon einmal warm. In Baden-Württemberg sammelten sie Bausteine gegen prekäre Beschäftigung. Das sind Vereinbarungen, die die unbefristete Übernahme von Auszubildenden oder bessere Bedingungen für Leiharbeiter regeln.

Beziehungen ohne feste Bindungen stehen bei Arbeitgebern hoch im Kurs. Seit die rot-grüne Bundesregierung mit den Hartz-Gesetzen die Regeln für Leiharbeit de facto abgeschafft hat, wächst ihre Zahl. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hatte diesen Trend nur kurz unterbrochen. Bereits im Jahr danach ging die Zahl der Leiharbeitnehmer wieder steil nach oben und übertraf mit 923 000 Leihbeschäftigten im Oktober 2010 sogar das Vorkrisenniveau. Ähnliche Zahlen erwartet die IG Metall für das laufende Jahr. In Nordrhein-Westfalen gab ein Viertel der Betriebe bereits vor der Krise an, Stammbelegschaft durch Leiharbeit abzubauen.

Politik muss Ungerechtigkeit beenden

Vor allem für junge Menschen bedeutet das: Die Chancen auf einen sicheren und fair bezahlten Arbeitsplatz sinken. Denn Leiharbeit hat ein Gesicht und das ist meist jung und männlich. Sie leisten die gleiche Arbeit wie ihre festangestellten Kollegen und bekommen dafür oft nur halb soviel Geld. Sie bekommen keine Zuschläge für Überstunden, sie haben keinen Anspruch auf besondere Leistungen des Betriebs, sie bleiben von Qualifizierungen meist ausgeschlossen und sie können an ihrem Arbeitsplatz nicht mitbestimmen.

Leiharbeit schadet nicht nur den Beschäftigten selbst. Auch der Staat macht damit ein schlechtes Geschäft. Ersetzen die Unternehmen 100 000 Festangestellte durch Leiharbeitnehmer entgehen dem Staat nach Berechnungen der IG Metall aufgrund des geringeren Einkommens jährlich 300 Millionen Euro an Steuereinnahmen und 400 Millionen Euro Sozialversicherungsbeiträge.

Die IG Metall fordert von der Politik, diese Ungerechtigkeiten zu beenden. Gleiche Bezahlung vom ersten Tag an und die Wiedereinführung des Synchronisationsverbots müssen gesetzlich geregelt werden. Letzteres hatte die rot-grüne Bundesregierung mit Hartz-Gesetzen abgeschafft. Seither können Verleiher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nur für die Dauer eines Einsatzes beschäftigen. Damit wälzte der Gesetzgeber das unternehmerische Risiko auf die Beschäftigten der Leiharbeit ab.



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