Kranhersteller Gottwald: Betriebsrat erzwingt Vereinbarung über Leiharbeit

27.01.2012 | Auseinandersetzung beim Düsseldorfer Kranhersteller Gottwald

Betriebsrat erzwingt Betriebsvereinbarung zu Leiharbeit

Gottwald-Kran im Hafen von Ludwigsburg

© Gottwald Port Technology

 

Nach zwei Jahren Auseinandersetzung hat der Betriebsrat des Kranherstellers Gottwald die Unternehmensleitung so weit: Bis Ende Februar wird eine Betriebsvereinbarung zum Einsatz von Leiharbeit ausgehandelt. Unter Verweis auf das Gesetz, wonach Leiharbeit „vorübergehend“ sein muss, hatte der Betriebsrat zuvor die Zustimmung zur Verlängerung der Einsätze von 80 Leiharbeitnehmern verweigert und deren Übernahme verlangt.

Beim Düsseldorfer Kranherstellers Gottwald Port Technology (GTP), einer Tochter des Konzerns Demag Cranes, ist eine Auseinandersetzung über den Einsatz von Leiharbeit eskaliert.

Seit zwei Jahren drängt der Betriebsrat darauf, eine Betriebsvereinbarung zum Einsatz von Leiharbeit abzuschließen. „Bis jetzt leider ohne Erfolg“, heißt es in einem Flugblatt der IG Metall Düsseldorf-Neuss. Nach einer Klage der Arbeitnehmervertretung erklärte sich die Unternehmensleitung nun zu Verhandlungen bereit.

Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, hatte der Betriebsrat Ende letzten Jahres die Weiterbeschäftigung von 80 Leiharbeitnehmern verweigert. Diese würden bereits länger als ein halbes Jahr bei Gottwald arbeiten, und seien somit dauerhaft beschäftigt, so die Begründung. Laut Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) dürfen Leiharbeitnehmer jedoch nur „vorübergehend“ eingesetzt werden.

Die Unternehmensleitung ließ die Beschäftigten dennoch weiter arbeiten. Ohne die vom Betriebsrat verweigerte Zustimmung gerichtlich ersetzen zu lassen, wie es das Betriebsverfassungsgesetz erfordert. Die Mitbestimmungsrechte werden „mutwillig und dreist unterlaufen", kritisierte IG Metall-Sekretär Volker Consoir den Vorgang.

 

Betriebsrat fordert gleiche Bezahlung und Übernahme nach sechs Monaten


Der GTP-Betriebsrat klagte daraufhin vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf. Bei einem Gütetermin konnte die Unternehmensleitung nun zu Zugeständnissen bewegt werden.

Man habe sich darauf geeinigt, bis Ende Februar eine Betriebsvereinbarung zum Einsatz von Leiharbeit auszuhandeln, berichtet Harry Hansen, Vorsitzender des Betriebsrats, gegenüber dem Nachrichtenportal Der Westen. So lange bleiben die 80 Beschäftigten weiterhin als Leiharbeiter eingesetzt.

In der Wirtschaftskrise wurden bei Gottwald 200 Stammbeschäftigte gekündigt und durch Leiharbeitnehmer ersetzt. Laut Betriebsrat beträgt ihr Anteil an der Belegschaft derzeit rund 20 Prozent.

Er fordert die Leiharbeitsquote auf fünf Prozent zu begrenzen. Außerdem soll die Betriebsvereinbarung Leiharbeitnehmern gleiche Bezahlung vom ersten Tag an, sowie eine Übernahme in die Stammbelegschaft nach sechs Monaten Einsatzzeit zusichern.



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