Bundesagentur für Arbeit: Auf Jobverlust folgt immer öfter Hartz IV

2.1.2012 | Zahlen der Bundesagentur für Arbeit

Auf Jobverlust folgt immer öfter Hartz IV

junger Mensch mit leeren Hosentaschen [AllzweckJack: photocase.de]

© [AllzweckJack: photocase.de]

 

Immer mehr Beschäftigte rutschen mit dem Jobverlust sofort auf Grundsicherungsniveau ab. Aufgrund geringer Entlohnung oder längerer Erwerbsunterbrechungen haben sie zu wenig oder gar keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Leiharbeitnehmer sind besonders häufig betroffen. Die OECD bescheinigte Deutschland zuletzt eine überdurchschnittlich schnelle Zunahme der Einkommensungleichheit.

Wer seinen Job verliert, landet immer öfter direkt auf Grundsicherungsniveau. Mittlerweile gilt das für jeden vierten Beschäftigten, der arbeitslos wird. Der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge bezogen von Dezember 2010 bis November 2011 im Monatsdurchschnitt 61.000 Menschen nach einer Beschäftigung sofort Hartz IV (Arbeitslosengeld II).

Damit setzt sich trotz Aufschwung der Trend weiter fort, der bereits seit einiger Zeit zu beobachten ist. Im Jahr 2010 zählte die BA mit monatlich 57.000 Erstbeziehern von Hartz IV noch rund 4.000 weniger als im vergangen Jahr. Im Krisenjahr 2009 waren es 53.000 und noch ein Jahr davor 51.000.

Entweder war die Beschäftigungszeit zu kurz, um Ansprüche zu erwerben, oder das früher erzielte Lohneinkommen war zu niedrig, um mit dem daraus abgeleiteten Arbeitslosengeld-Anspruch den Bedarf zu decken und muss mit Arbeitslosengeld II aufgestockt werden“, erklärt die BA.

Leiharbeitnehmer sind besonders häufig unmittelbar nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes auf Hartz IV angewiesen. Denn ihre Arbeitsverhältnisse sind deutlich kürzer und ihre Einkommen deutlich geringer als die von regulär Beschäftigten.

 

OECD: Ungleichheit in Deutschland steigt rasant


Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind auch Ausdruck eines immer größeren Wohlstandsgefälles.

Erst kürzlich stellte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fest, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland in den letzten 20 Jahren deutlich stärker gewachsen ist als in den meisten anderen OECD-Ländern.

In den 80er und 90er Jahren gehörte das Land zu den eher ausgeglichenen Gesellschaften, inzwischen liegt es nur noch im OECD-Mittelfeld“, heißt es in einer aktuellen Studie.

Demnach verdienten die obersten zehn Prozent in den 1990er-Jahren noch sechsmal so viel wie die untersten zehn Prozent. Zuletzt lag das Verhältnis bereits mit 8 zu 1 nur noch knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 9 zu 1.

Wenn die Politik nicht gegenlenkt und prekäre Beschäftigungsverhältnisse wie Leiharbeit und Werkverträge stärker reguliert, wird sich die Ungleichheit in Deutschland weiter verschärfen.



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