Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft will prekäre Vollbeschäftigung

5.5.2011 | Arbeitgeber-Kampagne

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft will prekäre Vollbeschäftigung

junger Mensch mit leeren Hosentaschen [AllzweckJack: photocase.de]

© [AllzweckJack: photocase.de]

 

Die arbeitgeberfinanzierte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft startet eine Kampagne für Vollbeschäftigung. Um die Arbeitslosenquote unter fünf Prozent zu drücken, dürfe der Arbeitsmarkt nicht wieder stärker reguliert werden, fordert die Organisation. Damit würde die Wirtschaft instabil und krisenanfälliger werden.

Mit einer neuen Kampagne für Vollbeschäftigung wirbt die von den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie finanzierte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) gegen eine stärkere Absicherung von Arbeitnehmern. Bei der Veröffentlichung eines Gutachtens des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) mit dem Titel „Wege zur Vollbeschäftigung“ forderte die INSM, die Senkung der Arbeitslosenquote auf unter fünf Prozent zum „gesellschaftlichen Projekt“ zu machen.

Diesem Ziel stünden Maßnahmen wie „die Einführung von Mindestlöhnen, Regulierung der Zeitarbeit oder Rücknahme von Arbeitsmarktreformen“ im Weg, erklärte der INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr in Berlin. Statt Lohnuntergrenzen festzulegen, solle der Staat weiter Löhne aufstocken. Auch die Tarifparteien müssten das „Vollbeschäftigungsziel" in Lohn- und Gehaltsverhandlungen berücksichtigen.

 

Sichere Arbeit war die Grundlage für das „Beschäftigungswunder“


Mit anderen Worten: In den Augen der INSM sollen Politik und Gewerkschaften dafür sorgen, dass Arbeitnehmer so billig und so leicht kündbar wie möglich bleiben und so das Ziel Vollbeschäftigung erreicht werden kann.

Dabei hat die jüngste Geschichte gezeigt, dass nur sichere Arbeitsverhältnisse und starke Tarifpartner die Wirtschaft stabilisieren und krisenfest machen.

Selbst für viele vormalige Befürworter eines flexiblen Arbeitsmarktes war das die wichtigste Lehre aus dem international bestaunten „Beschäftigungswunder“, durch das die Krise in Deutschland nur wenig Schaden anrichten konnte.

Auch die IG Metall hat ein Interesse daran, dass möglichst viele Menschen in Arbeit sind. Doch von einer Vollbeschäftigung nach Vorstellung der INSM, die zu einem Großteil aus prekärer und gering entlohnter Arbeit besteht, profitieren allein die Unternehmen.

Die Gesellschaft hat davon nur wenig. Denn nur abgesicherte und angemessen entlohnte Beschäftigung schafft Perspektiven und sorgt für die nötige Binnennachfrage, die verhindert, dass aus einem Abschwung eine handfeste Wirtschaftskrise wird.



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