BA-Chef: Leiharbeit „ist nicht der Jobmotor“

16.5.2011 | Zahlen der Bundesagentur für Arbeit

BA-Chef: Leiharbeit „ist nicht der Jobmotor“

Bundesagentur für Arbeit

© [Bundesagentur für Arbeit]

 

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank Weise, hat erklärt, Leiharbeit dürfe nicht mehr deutlich zunehmen. Sonst werde sie zur Gefahr für reguläre Arbeitsplätze. Diese seien der eigentliche "Jobmotor". Neuesten Zahlen der BA zufolge mussten 2010 trotz Aufschwung mehr Erwerbstätige Hartz IV beantragen als im Vorjahr.

Leiharbeit „ist nicht der Jobmotor“. Das erklärt Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), und widerspricht damit der Ansicht vieler Arbeitgeber, die in der Leiharbeit die Hauptursache für den anhaltenden Aufschwung am Arbeitsmarkt sehen. „Der Jobmotor sind tatsächlich die festen Beschäftigungsverhältnisse in Unternehmen“, stellte Weise vergangenen Samstag im Interview mit der Tageszeitung Die Welt klar.

Bisher erfülle Leiharbeit zwar ihren ursprünglichen Zweck, Auftragsspitzen abzudecken, so Weise weiter. „Wenn aber Unternehmen ganze Belegschaften flexibel halten wollen und sie in die Zeitarbeit verlagern, oder mittels Zeitarbeit die Löhne senken, dann muss man ganz klar sagen: Das war nicht die Absicht des Gesetzgebers“, wird der BA-Chef zitiert. So werde Leiharbeit zur Gefahr für reguläre Beschäftigung. Die Zahl von rund einer Million Leiharbeitnehmern und ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung von rund zwei Prozent dürften nicht mehr deutlich weiter steigen.

 

BA-Zahlen für 2010: Mehr Aufstocker trotz Aufschwung


Einen Tag zuvor hatte die Bundesagentur einen neuen Monatsbericht vorgelegt. Bei sinkenden Arbeitslosenzahlen ist demnach die Zahl der Beschäftigten, deren Löhne mit Hartz IV aufgestockt werden müssen, im vergangenen Jahr weiter angestiegen.

Im Jahresdurchschnitt waren es 4,4 Prozent mehr als im Krisenjahr 2009 und sogar 13 Prozent mehr als 2007. Selbst in wirtschaftlich guten Zeiten erreichen also nur wenige „Aufstocker“ ein existenzsicherndes Einkommen.

Leiharbeit, aber auch Mini-Jobs und andere schlecht bezahlte Beschäftigungsverhältnisse sind also für viele Menschen eine Sackgasse ohne Perspektiven.

Eine Sprecherin der BA sagte, es sei zwar zu begrüßen, wenn Arbeitslose Stellen finden, „auch wenn diese nicht so gut bezahlt“ würden. „Es wird aber auch das Phänomen geben, dass die Arbeitgeber wissen: Wenn ich nur soundsoviel zahle, wird das aufgestockt“, erklärte sie bei der Vorstellung der Zahlen in Nürnberg.

Annelie Buntenbach, Mitglied im Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), forderte daraufhin, diese „milliardenschwere Subventionierung des Lohndumpings“ zu beenden. Dafür müsse das Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ durchgesetzt und ein allgemeiner Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde eingeführt werden.



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