Leiharbeiter in deutschen AKWs: Doppelt so hohe Strahlenbelastung, weniger Lohn

6.6.2011 | Leiharbeiter in deutschen AKW

Doppelt so hohe Strahlenbelastung, weniger Lohn

Schild "Achtung" vor AKW [suze: photocase.de]

© [suze: photocase.de]

 

Nach Auskunft der Bundesregierung werden in den AKW der deutschen Energiekonzerne für Tätigkeiten mit besonders hoher Strahlenbelastung vornehmlich Leiharbeiter und Beschäftigte mit Werkverträgen eingesetzt. Bei geringerem Lohn ist ihre jährliche Strahlendosis nach Berechnungen der Partei Die Linke durchschnittlich rund doppelt so hoch wie die ihrer festangestellten Kollegen.

Deutsche Energiekonzerne setzen für besonders gefährliche und strahlenintensive Arbeiten in ihren Atomkraftwerken überwiegend Leiharbeiter und Beschäftigte mit Werkverträgen ein. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Linken hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Demnach seien im Jahr 2007 in Deutschland rund 30.000 in Leichtwasserreaktoren eingesetzte Beschäftige aufgrund erhöhter Strahlenbelastung an ihrem Arbeitsplatz überwacht worden. Davon waren nur knapp 6.000 bei den Kraftwerkbetreibern selbst angestellt, alle übrigen, über 24.000, waren demnach über Leiharbeitsfirmen oder auf Basis eines Werkvertrags beschäftigt.

Aus den Angaben der Bundesregierung geht hervor, dass rund 90% der gesamten Strahlenbelastung auf Fremdpersonal verfällt, deren individuelle Jahresdosis nach Berechnungen der Linken damit durchschnittlich rund doppelt so hoch ist, wie die ihrer festangestellten Kollegen. Dennoch verdienen sie, wie in allen anderen Branchen auch, zum Teil deutlich weniger.

 

Ärzteorganisation: 10-Stunden-Schichten für Leiharbeiter in Gefahrenzonen


Nach Ansicht von Jutta Krellmann, Sprecherin für Arbeits- und Mitbestimmungspolitik der Linken im Bundestag, deuten die Angaben der Bundesregierung darauf hin, dass immer häufiger Fremdbeschäftigte „die besonders strahlenexponierten Arbeiten in den AKW übernehmen“. Damit entstehe eine Art „Strahlenproletariat“, kritisiert die Politikerin.

Anfang März hatte die atomkritische Ärztevereinigung IPPNW bereits schwere Vorwürfe gegen Siemens erhoben. Um Geld zu sparen setze der Konzern für Prüfung, Wartung, Nachrüstung und „sogar bei der Reparatur zentraler Sicherheitssysteme“ in deutschen Atomkraftwerken „regelmäßig ungelernte Hilfskräfte und Leiharbeiter“ ein. Diese würden zum Teil in 10-Stunden-Schichten arbeiten, in der sie erhöhte Strahlenbelastung ausgesetzt seien, so IPPNW.

Auch in Frankreich ziehen laut Süddeutscher Zeitung rund 30.000 „Nuklear-Nomaden“ von einem AKW zum nächsten, um strahlenintensive Arbeiten zu erledigen. Anders als in Deutschland haben Leiharbeiter in Frankreich einen gesetzlichen Anspruch auf den gleichen Lohn plus 10 Prozent Flexibilitätszuschlag.



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