„Wenn ich gehe, hat das Unternehmen ein Problem“

5. August 2010

„Wenn ich gehe, hat das Unternehmen ein Problem“

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Trotz des allseits beklagten Fachkräftemangels setzen immer mehr Unternehmen auch bei hochqualifiziertem Personal auf Leiharbeit und andere flexible, also unsichere Beschäftigungsformen. Laut einer Studie greifen 50 Prozent der Unternehmen, die Ingenieure einsetzen, auf „externe“ Arbeitskräfte zurück. Langfristig ist diese Strategie zum Scheitern verurteilt.

Fachkräfte werden überall dringend gebraucht. In der Metall- und Elektroindustrie klagen Arbeitgeber schon jetzt, ihnen gingen die Ingenieure aus. Und wissenschaftliche Studien prophezeien einstimmig eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels. Dennoch sind offenbar immer weniger Unternehmen bereit vorzusorgen und die begehrten qualifizierten Beschäftigten langfristig an sich zu binden. Statt sichere Beschäftigungsverhältnisse zu bieten, decken Unternehmen ihren Bedarf an Ingenieuren vermehrt mit Leiharbeitskräften oder befristet engagierten Freiberuflern.

Das ist das Ergebnis einer Studie von Berlecon Research im Auftrag von Hays, einem internationalen Konzern für Personalvermittlung. Demnach setzt jedes zweite deutsche Unternehmen „mit hoher Ingenieursdichte“ auf „externe“ Ingenieure, wie alle nicht im Einsatzbetrieb angestellten Beschäftigten in der Studie genannt werden. Mehr als ein Viertel dieser Unternehmen greift dabei auf das Personal von Leiharbeitsfirmen zurück. „Flexibilität und Kostenvorteile“ werden am häufigsten als Gründe genannt.


Trotz Ingenieurmangel setzen Unternehmen auf Leiharbeit

Dabei sehen 80 Prozent der befragten Personalmanager und –managerinnen den steigenden „Bedarf an Spezialwissen“ als die größte Herausforderung der Entwicklungsabteilungen. Nur unwesentlich weniger sagen zudem aus, Ingenieure seien „schwer zu finden“. Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen ist der Einsatz von Leiharbeitskräften und anderen ‚Externen‘ jedoch alles andere als hilfreich: Dem Betrieb gehen qualifizierte Ingenieure verloren und mit ihnen das so wichtige Spezialwissen.

Das bestätigt auch ein als Leiharbeitnehmer beschäftigter Ingenieur gegenüber den VDI Nachrichten, der Mitgliederzeitung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). „Ich mache das keine vier Jahre“, wird der junge Berufsanfänger zitiert, der seit einem Jahr wöchentlich quer durch das Bundesgebiet zu seinem Einsatzbetrieb pendelt. Obwohl er im Betriebsablauf eine wichtige Rolle spielt, werden ihm keine Aussichten auf eine Festanstellung gemacht. „Wenn ich gehe, hat das Unternehmen ein echtes Problem“, erklärt er.

Dauerhaft werden daher nur die Unternehmen erfolgreich sein, die in ihre Beschäftigten investieren. Wer Fachkräfte und Spezialwissen im Betrieb halten will, muss sichere Arbeitsverhältnisse und Möglichkeiten zur Weiterbildung bieten. Kurzfristige Strategien zur Kostensenkung sind langfristig zum Scheitern verurteilt.



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