Topmanager prangert üble Tricks der Leiharbeitsbranche an

9. August 2010

Topmanager prangert üble Tricks der Leiharbeitsbranche an

Schild: "Sicherheitsvorschriften beachten" [remik: photocase.de]

© [remik: photocase.de]

 

In einem Interview mit der Wirtschaftswoche fordert Marcus Schulz, Topmanager in der Leiharbeitsbranche, Spitzenverbände und Politik auf, ernsthaft über eine gleiche Entlohnung von Stamm- und Leiharbeitskräften zu diskutieren.

Der Geschäftsführer des viertgrößten europäischen Leiharbeitsunternehmen USG People kritisiert die starre Haltung der Leiharbeits-Lobby und prangert zudem die alltäglichen unsauberen Praktiken und Rechtsverletzungen der Branche an. „Tricks im Umgang mit Mitarbeitern“ seien keineswegs Einzelfälle, sondern würden systematisch genutzt, erklärt Schulz gegenüber dem Magazin. „Immer noch werden Mitarbeiter vorsätzlich falsch eingruppiert, systematisch wird mit Krankenstand und Urlaubsansprüchen getrickst, um einsatzfreie Zeiten zu unterlaufen, die die Unternehmen eigentlich bezahlen müssten, oder um geringfügig Beschäftigte länger einzusetzen als erlaubt.

Schulz fordert verbindliche Standards in der Leiharbeit, die den Missbrauch im Umgang mit Mitarbeiten wirksam unterbinden. „Wir müssen dem Eindruck entgegen wirken, dass wir Geld damit verdienen, dass wir Menschen schlecht für ihre Arbeit bezahlen.“


Unternehmen in Deutschland setzen bei Neueinstellungen zunehmend auf Leiharbeit

Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, weist in einem Interview mit der Zeit die Verantwortlichkeit für die Lohnhöhe von Leiharbeitskräften von seiner Branche zurück und spricht sich gegen eine Equal-Pay-Regelung aus. „Wir als Kunden dieser Branche können denen nicht die Arbeitsbedingungen aufzwingen“, so Kannegiesser. „Wir sagen, dass unsere Kosten für Zeitarbeitnehmer ein Stück weit unter den Kosten unserer Mitarbeiter liegen sollten, deren Kompetenz langfristig gewachsen ist. Was dann die Zeitarbeitsfirmen ihren Leuten zahlen – das ist deren Sache.“

Fakt ist: Die Unternehmen in Deutschland setzen bei Neueinstellungen zunehmend auf Leiharbeit. Für mehr als jede dritte neue Stelle suchten die Betriebe nach Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Juni einen Leiharbeitnehmer.

Diese Zahlen bestätigen unsere Befürchtungen“, sagte der stellvertretende IG Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel Ende Juli 2010 gegenüber der Berliner Zeitung und kündigte verstärkten Widerstand an. „Gegen das Bestreben, durch Leiharbeit ein niedrigeres, zweites Tarifniveau in den Betrieben zu etablieren, werden wir Gegenwehr in den Betrieben organisieren.“ Auch die Bundesregierung sei in der Pflicht, dem Missbrauch von Leiharbeit Einhalt zu gebieten.



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