Mit über einer halben Milliarde Euro hat die Bundesregierung innerhalb eines Jahres die Löhne von Leiharbeitskräften aufgebessert, die nicht genug zum Leben verdienten. Diese Information erhielt die Grünen-Bundestagsfraktion auf eine Anfrage an die Bundesregierung, die der Financial Times Deutschland exklusiv vorliegt.
Insgesamt 531 Millionen Euro hat die Bundesregierung zwischen 2008 und 2009 aufgewendet, um die Löhne von Leiharbeitnehmern aufzustocken. „Damit subventioniert die Bundesregierung die Zeitarbeit in beachtlicher Höhe“, kritisierte Beate Müller-Gemmecke, zuständig für Arbeitnehmerrechte in der Grünen-Bundestagsfraktion. „Angesichts von Missbrauchsfällen wie Schlecker darf die Regierung den Kopf nicht in den Sand stecken – sie muss angreifen“, erklärte die Politikerin gegenüber der Zeitung.
Nach Angaben der Bundesregierung waren im Mai 2009 etwa 60.000 Leiharbeitnehmer auf die staatlichen Lohnzuschüsse angewiesen, um über die Runden zu kommen. Das entspricht etwa jedem zehnten Beschäftigten auf Zeit. Im Mai 2008, als die Branche noch mitten im Boom steckte, waren es gar 90.000.
Von den betroffenen Leiharbeitskräften übte der weitaus größte Teil eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aus. Die meisten Aufstocker waren also nicht nur wenige Stunden beziehungsweise geringfügig beschäftigt.
Die Bundesregierung verteidigte die immensen Ausgaben mit dem Argument, dass die staatlichen Belastungen eventuell höher wären, wenn die Betroffenen keinen Job hätten.
Diese aktuellen Zahlen und auch der spektakuläre Fall um Schlecker zeigen, dass in der Leiharbeitsbranche einiges schief läuft. Zu viele Arbeitgeber zahlen den Leiharbeitnehmern so wenig, dass der Staat und somit auch die Steuerzahler einspringen müssen, damit der Lohn zum Leben reicht.
Die IG Metall setzt sich dafür ein, dass Leiharbeitskräfte keine Billigarbeiter im Betrieb sind, sondern das Gleiche verdienen wie die Stammbelegschaft.