Der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie, Gesamtmetall, hat sich erstmals für einen Mindestlohn in der Leiharbeitsbranche ausgesprochen. Auch gegenüber kleinen Korrekturen der Leiharbeitsgesetze zeigt sich der Verband erstmals aufgeschlossen. Ein Recht auf gleiche Bezahlung lehnt er jedoch weiterhin ab.
Die Front gegen eine schärfere gesetzliche Regulierung von Leiharbeit bröckelt. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser: „Missbrauch zu beseitigen ist immer richtig“. Darunter falle für ihn auch der systematische Austausch von Stammbeschäftigten gegen Leiharbeitnehmer. Diesen „Drehtüreffekt, erst raus und mit denselben Leuten wieder billig rein“ hält der Arbeitgebervertreter für „eine perverse Ausnahme“.
Der Politik schlägt er vor, noch bis Ende des Jahres abzuwarten, ob die neuen Tarifverträge diesen Missbrauch wirksam verhindern. In den Verträgen sind Klauseln enthalten, die den unternehmensinternen Verleih von Arbeitskräften zur Einsparung von Lohnkosten verhindern sollen. Sofern sich gesetzliche Maßnahmen dennoch als notwendig erweisen, „sollte sich das Arbeitsministerium nur auf echte Missbrauchsfälle beschränken“, empfiehlt Kannegiesser. Bei einer ungewissen Auftragslage seien Unternehmen auf Leiharbeit angewiesen. Diesen Einwand will Detlef Wetzel nicht gelten lassen. „Gesamtmetall will beides: Flexibilität und Lohnsenkung", kritisiert der Zweite Vorsitzende der IG Metall. Mit anderen Worten: Die Unternehmen können keine Flexibilität erwarten, ohne dafür zu bezahlen.
Kannegiesser: „Ohne Lohnuntergrenze wird der Lohndruck zu groß“