Zu Zeiten der Hochkonjunktur wurde Leiharbeit in Deutschland von vielen als „Jobwunder“ gefeiert. Gewerkschaften fanden nur wenig Gehör, wenn sie auf die zunehmend schlechteren Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitnehmern aufmerksam machten. Durch das beliebige Heuern und Feuern von Leiharbeitskräften würden Menschen immer mehr zur Ware. Diese „Ware“ wird nun in der Krise immer weniger nachgefragt. Über 200.000 Leiharbeitskräfte haben bereits ihren Job verloren, da Unternehmen sich zuerst von ihnen trennen und die Auftragsbücher der Leiharbeitsfirmen somit leer bleiben.
Kritik als Inspiration
Not macht bekanntlich erfinderisch. Scheinbar inspiriert von der Kritik der Gewerkschaften, wirbt die Leiharbeitsfirma S&F nun mit einem „Wirtschaftskrisen-Rabatt-Angebot“ für besonders billige Arbeitskräfte. Unternehmen werden dazu aufgefordert „mit spitzem Bleistift“ zu rechnen. „Sichern Sie sich jetzt 15% Rabatt auf alle Hilfs- und Fachkräfte“, heißt es in einer Broschüre, die an Unternehmen in Nordrhein-Westfalen adressiert war. Die obszöne Werbung gipfelt in dem Slogan: „Alle müssen raus!“ unter dem eine fröhlich lächelnde Schaar vom Klempner über die Hostess und den Bauarbeiter bis hin zur Ärztin abgebildet ist.
Gewollte Assoziation
Offensichtlich ganz bewusst hat es S&F bei dieser Rabattaktion auf Assoziationen mit den Ramschaktionen der Lebensmitteldiscounter angelegt. Umso unglaubwürdiger wirken da die Beteuerungen des Geschäftsführers Dominik Bangert, die Formulierungen seien „unglücklich gewählt“ und man habe es lediglich darauf abgesehen, die Jobs der Leiharbeitnehmer zu retten. Zumal ihn erst der Olper IG Metall-Chef Georg Keppeler und andere Gewerkschafter daran erinnern mussten, dass es sich bei Leiharbeitskräften „um Menschen mit Kopf, Gefühlen und Verstand“ handelt. Grundsätzlicher forderte Keppeler, es dürfe nicht sein, dass Unternehmen dazu gedrängt werden, Stammbelegschaft gegen günstigere Leiharbeitskräfte auszutauschen.